|
Vorschau auf vorbereitete Publikationen Vollendete Zukunft und antizipierte Nachträglichkeit – Kleine Psychologie des Alter(n)s (In: Psychologie &
Gesellschaftskritik, 27 (2004) zur Veröffentlichung angenommenZusammenfassung: Das Verständnisparadigma der Altersprozesse des unbewussten Subjekts bezieht sich auf den imaginierten Verlust der
Zukunft, der sich als Ausfall jedweder Zukunft traumatisierend auswirkt und zugleich seine Vergangenheit und Gegenwart betrifft. Vorgestellt wird das psychologische Paradoxon einer vollendeten Zukunft und antizipierten
Nachträglichkeit, demzufolge es Aufgabe des Subjekts ist, zukünftig im Alter der zu werden, den die Vergangenheit aus ihm gemacht hat. Dieses Denkmodell einer Zeitschleife impliziert für das alternde Subjekt, dass es
die Antizipation einer Zukunft, sprich, die Vorstellung einer imaginären Lebensperspektive im Sinne einer – möglicherweise unrealistischen – Projektion des Selbst aus der zur Vergangenheit werdenden Gegenwart in die
Zukunft leisten muss. Mit einer derartigen Utopie des Noch-Nicht kann es die Atopie des im Tode enteigneten Lebens konterkarieren und sich sein Sterben wiederaneignen. Dabei muss das Subjekt mitunter zusätzlich auf
Jenseitsvorstellungen vom ›ewigen Leben‹, auf eine Zukunft metaphysischer Art rekurrieren.
Subjektivität, Nachträglichkeit und Mangel. Zur Ethik des Subjekts der Forensischen Psychotherapie (In: Foren- sische Psychiatrie und Psychotherapie, 10 (2003) 2 im Druck - Info: http://www.wsfpp-forensik.de)Zusammenfassung:
Ethische Fragen forensisch-therapeutischer Praxis nötigen zur Überprüfung vermeintlich (end-)gültiger Standards und Prämissen. Gegenüber in Mode
gekommenen deliktfixierten, effizienz- und effektorientierten, manualisierten „Behandlungsmodulen“ wird eine subjektzentrierte Haltung vertreten. Dies fordert die
Ausarbeitung eines psychologisch-subjekttheoretischen Begründungsdiskurses. Anstelle einer unveränderbar abgeschlossenen Vergangenheit sollte forensische Behandlung die
Wiederherstellung einer subjektlogisch strukturierten, synchronen Zeitlichkeit des Subjekts provozieren, um die Art und Weise, wie es seine eigene, delinquente Geschichte annimmt,
zukunftsweisend weiterzuentwickeln und sich dabei zu kontextualisieren. Die Auseinandersetzung mit Mangel, Devianz, Verkennung, Verleugnung und
Selbstidealisierung ist dabei als Prozess der „Instituierung“ und „Subjektivierung“ zu verstehen. Ziel ist die Entwicklung einer Autonomie der Selbstunterwerfung und des Begehrens. Schlüsselwörter:
Ethik – forensische Therapie – Nachträglichkeit – Mangel – Subjektivierung – Instituierung
Corpus delicti: Der Täter als Körpersubjekt? als Körperobjekt? Eine kasuistische Diskussion (In: Kriminologisches Journal, 35 (2003) 3 im Druck - Info: KrimJ Zusammenfassung:
Der Beitrag skizziert die 20-jährige Entwicklung eines schwer gestörten Täters mit Phantasien des Tötens, Verstümmelns, Einverleibens usw. Am
Beispiel dieser Körperphantasien und Abwehrprozesse des Inkorporation und Exkorporation lassen sich entwicklungspsychologische Aspekte ableiten und verdeutlichen.
Das intersubjektive Strukturmodell erlaubt Unterscheidungen von Körpersubjekt, Körperobjekt und Körperabjekt. Der essentielle Unterschied der sog. symbolischen
Kastration zur operativ vollzogenen Kastration wird in seinen realen, imaginären und symbolischen Konsequenzen für die instituierende Subjektivierung herausgearbeitet.Summary:
This contribution exemplifies the development of an extremely disturbed offender with fantasies of homicide, mutilation, symbiosis etc. over a period of 20 years. The
example of body fantasies and of defence mechanisms of in-corporation or ex-corporation allows to understand and to illustrate psychological development. The inter-subjective
paradigm of psychological structures enables the differentiation of the corporal subject, the corporal object, and the corporal abject. Moreover, the essential difference of the so-called
symbolic castration from a surgically realized castration is elaborated in its real, imaginary and symbolic consequences for le subject’s institutionizing subjectivation.
Imitatio Christi? Stigmatisationen zwischen Selbstinszenierung und Zeichen des Herrn
Zusammenfassung: Das Auftreten von Wundmalen (Stigmata) kann bei Stigmatisierten › kulturell als übernatürliches Zeichen, › religiös als Wunder, › medizinisch als
psychosomatisches Symptom, › semiologisch als Körperchiffre, › psychoanalytisch als Verwerfung des Symbolischen verstanden werden. Der Beitrag diskutiert dieses Phänomen
der Selbststigmatisation › als Dynamik psychosomatischer Konfliktbewältigungsprozesse, › als subjektiv sinnhaften, autonom-identitätsstiftenden Prozess, › vor der Folie von
Prozessen der Selbststigmatisierung – Selbstinszenierung – Selbstrepräsentanz, › bezüglich der Verschränkung von Körper – Inkorporation – Exkorporation, von Bild –
Vorbild – Abbild – Selbstbild – Sprachbild (Metaphorik), von Sprache – Signifikat – Signifikant – Semantik phantasmatischer Einverleibung, von «sub-ject» als Unterworfenem – «ab-ject»
als Verworfenem, › unter Berücksichtung einer Dialektik von Körpersubjekt und Körperobjekt, › im Kontext einer narzisstischen und libidinösen Besetzung der Haut, › in seinen Bedeutungen als „acting out“
wie als Symptom, › betreffs seiner Symptombedeutung in der Verkettung von Realem – Imaginärem – Symbolischem, › unter sprachexperimentellen Aspekten als «sinthome» – «synth-home» – «saint homme» –
LOM = «l’homme», › als Dialektik von Differenz und Wiederholung in der Identifikation, in der Präsenz des Selben und der Repräsentanz des Anderen, › als leibhaftige Identifikation
mit der göttlichen Ordnung und Einschreibung in das Gesetz.
«face-à-face» -
Das intime Bild des Anderen zwischen Utopie des Spiegels und reflexiver Wahrheit am virtuellen Ort (In: Mattes, P. & Musfeld, T. (Hrsg.): Psychologische
Konstruktionen. Der Diskurs des Performativen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen (2004) zur Veröffentlichung angenommen) Zusammenfassung:
Ausgehend vom Fallbeispiel eines – ehemaligen – Patienten in der forensischen Psychiatrie soll versucht werden, die Autonomieentwicklung eines konkreten
Subjekts anhand dessen reflexiver Auseinandersetzung mit mannigfachen Selbstbildern, anhand dessen phantasmatischer Beziehung zum „Antlitz des Anderen“ (Lévinas) und
dessen projektiver Identifizierung nachzuvollziehen und exemplarisch zu untersuchen. Hierbei wird eine Art „doppelter Diskurs" (Devereux) der psychologischen Wissenschaft mit
anderen Wissenschaften – Psychoanalyse, Philosophie, Literatur ... – entwickelt, indem › die wesentlich erscheinenden biographischen und psychodynamischen Merkmale skizziert,
› die Suche nach der eigenen fremden, der randständig-widerständigen Identität anhand von wiederholten Selbstportraits dargestellt und illustriert, › deren intrinsische Interferenz
(Bellour 1991) durch literarische Anleihen bei Genet entdeckt, angereichert und vertieft, › dabei das intra- und intersubjektive Verhältnis von Selbstbild, Spiegelbild und Abbild des
Anderen (Lévinas) erschlossen und › die kreativen Fähigkeiten des Patienten zur Selbstfiliation, zur Herstellung einer lebensgeschichtlichen Referenz (Legendre) wie zur
Subjektivierung durch subversive Einschreibung in eine symbolische Ordnung skizziert werden sollen. |
|