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Dr. Ulrich Kobbé Zwischen gefährlichem Irresein und gefahrvollem Irrtum
Determinanten, (Kon)Texte, Praxis des Entscheidungsverhaltens im reformierten Maßregelvollzug. Eine theoretisch-textkritische Analyse und empirisch-explorative Untersuchung.
Pabst Science Publ., Lengerich 1996 ISBN 3-931660-18-4 Mit dieser psychologischen Forschungsarbeit legt der Verfasser - langjährig in der
forensischen Psychiatrie tätiger Psychotherapeut - eine fundierte Analyse der Institution ,Maßregelvollzug' vor: Anhand theoretisch-textkritischer Untersuchungen leitet er her, in welcher Weise
gesellschaftliche, politische, rechtliche und wissenschaftliche Änderungen und Vorgaben die Entwicklung und Ausgestaltung forensisch-psychiatrischer Praxis bedingen, d.h.
ermöglichen wie verunmöglichen. Von einem gesellschafts- und institutionskritischen Ansatz ausgehend und einer sozialpsychiatrischen Sichtweise verpflichtet, arbeitet der
Verfasser die baulichen, konzeptuellen, diagnostischen therapeutischen, prognostischen, nachsorge- und ausbildungsbezogenen Praxen und Diskurse des Maßregelvollzugs in Deutschland heraus.
Aus der höchst differenzierten Aufbereitung eines umfangreichen Textapparats mit über 1.000 Literaturstellen resultiert die Zusammenschau involvierter Wissenschaftsdisziplinen
(Psychologie, Psychiatrie, Kriminologie, Philosophie, Psychoanalyse, Soziologie, Wissenschaftstheorie u. a.), die auch wissenschaftliche Grenzgänge gestattet. Die
kompakte Textur garantiert umfassende Darstellung, alltagspraktische Analyse, konzise Kritik, erlaubt auch sprachspielerische wie fachliche Provokationen, wodurch ,,eine sehr
detaillierte, teilweise subtil differenzierende Karte der im Maßregelvollzug gegebenen oder begründet vermutbaren individuellen und sozialen Bedeutungsstrukturen, Handlungsmuster
und Institutionalisierungen erreicht wird" (Prof. Dr. phil. Skowronek, Universität Bielefeld). Die sich anschließende empirisch-explorative Felduntersuchung intra-institutioneller
Beurteilungspraxis sondiert den Datenpool einer statistischen Gesamterhebung im Westfälischen Zentrum für Forensische Psychiatrie Lippstadt mit Hilfe multivariater,
strukturenprüfender Verfahren. Statistisch geprüft und geklärt werden - implizite wie explizite - Vorgaben bzw. theoretische Annahmen
- über Mehrdimensionalität eines Beurteilungsbogens zur Vorbereitung von Lockerungen,
- hinsichtlich einzelner psychoanalytischer Konstrukte,
- zum Gefährlichkeitsbegriff und zur institutionellen Störerdefinition,
- bezüglich der Kontextabhängigkeit des Beurteilungsprozesses,
- über Paradigmenwechsel und Kriterienreduktion bzw. Mehrdimensionalität bei der Lockerungsentscheidung.
„Ist der kritische Ansatz, den der Verfasser in seiner Literatur- und Theorieauswertung vorträgt, gut geeignet, gesteigerte Erwartungshaltungen bezüglich der später referierten
Praxisbefunde von vornherein abzusenken", so liefert die statistische Analyse in ihrem z.T. explorativ-experimentell angelegten Design aufschlußreiche Klärungen bezüglich
prognostisch verwendeter Kriterien, ihrer praktischen Relevanz und Logik für Lockerungsentscheidungen und ihrer gefährlichkeitsprognostischen Valenz und Verhaltensvorhersagepräzision.
,,Diese - kriminalpolitisch bedeutsamen – Befunde“ lassen sich - so Prof. Dr. jur. Albrecht (Universität Frankfurt a.M.) - ,,auf das dargelegte Erfahrungswissen und auf theoretisch
abgeleitete Erwägungen in der Arbeit stützen. Die enorme Literaturauswertung, die langjährige Einbindung in die Datenerhebung innerhalb eines interdisziplinären
Forscherteams, die hohe, von Berufserfahrung getragene analytische Kompetenz des Verfassers, die überzeugende Rekonstruktion hoher Erwartungshaltungen gegenüber
statistischer und klinischer Prognosepraxis“ machen diese Forschungsarbeit zu einem ,,beachtenswerten Beitrag zur kriminalpolitischen Diskussion über den MaßregelvolIzug als
weitestgehend unbekanntes Forschungsterrain". Bestellung:
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