Alter und Altern
Call for papers „Alt“ sind zunächst einmal immer die anderen. Und „Alter“ bedeutet dabei häufig genug auch Alterität als Form
radikaler Andersheit. Im besten Sinne sind die Altern gerade noch ein – wenn auch nicht erstrebenswertes – „alter ego“, ein suspektes Vexierbild eigener Jugendlichkeit und Fitness. Zwar sind „die Alten“ publikumswirksam
und zahlreichen Gazetten immer wieder als Aufmacher reichlich Schlagzeilen wert, doch dies in der Regel nur im abschreckenden Sinne. Da geht es um Renten, um demoskopische Pyramiden, um Visionen von Alten, die es sich
auf dem Rücken der Jungen gut gehen lassen. Konsequenterweise leben wir in einer Gesellschaft, deren Image sich wesentlich über Jugendlichkeit, Jugendkult bis hin zum Jugendlichkeitswahn speist: Leben Sie noch oder
altern Sie schon? Wenn wir alle von den Konsequenzen einer politisch-gerontologischen Logik betroffen sind, in der die Wandlungen und Verwandlungen des Alterns zu Kategorien von Defekt und Defizit und
diese letzten Endes immer gegen die Betroffenen gewendet werden, so entkommt auch Psychologie dieser Gerontologik nicht: Zwar wird innerhalb des Fachs die Bedeutung lebenslanges Lernens unterstrichen, dürfe das Alter
nicht in erster Linie unter Defizitgesichtspunkten gesehen werden, doch existieren konkret wenig Ideen, mitnichten innovative Konzepte, was denn das Besondere, das spezifisch Wichtige dieses Lebensabschnitts sein kann.
Psychologie & Gesellschaftskritik will sich der Frage widmen, wie das Alter und das Altern heute aussehen können, in all den verschiedenen Facetten, zwischen dynamischem Altern und entwürdigender
Existenz in Strukturen der (Selbst-)Ausgrenzung und (Selbst-) Marginalisierung, in denen Erfahrungen nichts mehr gelten, in denen körperliche Präsenz, Fitness und Selbstdarstellung alles sind. Wie also Alte der
Entwertungslogik einer verwertungsfixierten postindustriellen Gesellschaft entkommen können. Wie gestaltet sich der gesellschaftliche Umgang mit den Alten, in der Öffentlichkeit und gerade auch in den
Einrichtungen, die – als „Seniorenresidenz“, „Altenheim“, „Gerontostation“ usw. - dem Altern vorbehalten sind? Wie sieht der gesellschaftliche Umgang aus, zwischen einer „Altenindustrie“, die Konsummöglichkeiten
speziell auf diese Gruppe zuschneidet, und Ausgrenzungen, Mystifikationen und Stigmatisierungen, Vernachlässigungen und Misshandlungen, die bis hin zur Menschenrechtsverletzung reichen? Wichtig ist uns aber auch, wie
„Alte“ sich selbst sehen, wie sie sich mit dieser Lebenszeit auseinandersetzen, mit ihrem Verhältnis zu sich selbst, zu ihrem Körper und ihrer Geschlechtlichkeit. Gibt es das, eine „Schönheit des Alter(n)s“? Fast
scheint es so, als ob in dieser Lebenszeit die sonst allgegenwärtige Sexualisierung und Zuordnung zur Kategorie Geschlecht außer Kraft gesetzt wird. Wie wird dies erlebt, wie wird dies gelebt? Wie kommt der Einzelne
heraus aus einer allzu leicht und allzu oft als „Verlustzone“ apostrophierten Form des Alters und Alterns? Und welche tatsächlichen Beziehungen existieren zwischen den Generationen? Bitte schicken Sie
baldmöglichst ein kurzes Exposé und fertige Manuskripte bis zum 19. Juni an dieRedaktionsadresse: Dr. Tamara Musfeld, Technische Universität Berlin, Fakultät 1 / Sekretariat FR 4-3, Franklinstraße 28/29, 10587 Berlin,
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